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wsd:lesen_schreiben:baddeley

Mehrkomponentenmodell des Arbeitsgedächtnisses nach Baddeley

Zitiervorschlag: Stecher, M., Rauner, R. (2021): „Mehrkomponentenmodell des Arbeitsgedächtnisses nach Baddeley.“ Abgerufen von URL: https://wsd-bw.de/doku.php?id=wsd:lesen_schreiben:baddeley



Das Mehrkomponentenmodell des Arbeitsgedächtnisses nach Baddeley versucht abzubilden, wie Informationen während ihrer komplexen kognitiven Verarbeitung zwischengespeichert und aufrechterhalten werden. Dabei spielen sowohl „bottom-up-Prozesse“ (datengesteuert) als auch „top-down-Prozesse„ (konzeptgesteuert) eine zentrale Rolle.

Die zentrale Exekutive steuert in diesem Zusammenhang die Aufmerksamkeitslenkung. Dabei geht es um die selektive Beachtung der als relevant eingestuften Informationen. Die zentrale Exekutive initiiert und koordiniert die Verarbeitungsprozesse, indem sie den Hilfesystemen Informationen zuweist. Gleichzeitig interagiert sie mit anderen Teilen des kognitiven Systems und vergleicht Informationen mit bereits erfolgten Einträgen im Langzeitgedächtnis.

Die phonologische Schleife ist die sprachspezifische Gedächtnisform. Ihre Funktion ist, die kodierte phonologische Information vollständig und reihenfolgegenau verfügbar zu halten. Dazu dienen ihr wiederum 2 Subsysteme:

Der phonologische Buffer, der die phonologischen Informationen etwa 1-2 Sekunden ohne Wiederauffrischung aufrechterhalten kann, bevor sie verfallen. Werden die Informationen über diese Zeitspanne hinaus benötigt, wird das zweite Subsystem „rehearsal“ aktiv. Es frischt nun die Informationen durch subvokalisches Artikulieren auf. Durch dieses Memorieren wird die Information am Leben erhalten.

Die Funktion des visuell-räumlichen Skizzenblocks ist das Speichern von räumlichen und visuellen Informationen. Die Kapazität des visuell-räumlichen Skizzenblocks ist ebenfalls begrenzt.

Während die beiden genannten Hilfssysteme modalitätsspezifisch (auditiv oder visuell) arbeiten, repräsentiert der episodische Buffer ein multimodales Speichersystem, das sowohl visuelle als auch phonologische Informationen in Form von „Episoden“ speichert. Sowohl die phonologische Schleife, als auch der visuell-räumliche Skizzenblock und der episodische Buffer stehen in einer ständigen Wechselwirkung mit den Langzeitgedächtnisfunktionen (individueller Wortschatz, sprachsystematisches Wissen und Weltwissen).

Der Kontrollmechanismus (Monitoring) überprüft während des gesamten Sprachverstehensprozesses, ob genügend Informationen vorhanden sind, um eine Bedeutung daraus regenerieren zu können. Eine basale Voraussetzung für das Sprachverstehen stellen darüber hinaus die Motivation, die Aufmerksamkeit und die Wachheit dar. Diese Faktoren sind während des gesamten Prozesses entscheidende Gelingensfaktoren.

Stecher, Rauner

Literatur

Baddeley, A. (2002). Human Memory. Theory and Practice. East Sussex: Psychology Press

Motsch, H.-J. (2013). Grammatische Störungen - Basisartikel. Sprachförderung und Sprachtherapie, 1/13

wsd/lesen_schreiben/baddeley.txt · Zuletzt geändert: 2021/06/11 15:35 von Philipp Staubitz