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wsd:glossar

Inhaltsverzeichnis

Glossar

Zitiervorschlag: Stecher, M. (2021): „Glossar.“ Abgerufen von URL: https://wsd-bw.de/doku.php?id=wsd:glossar, CC BY-SA 4.0

Additivität (nach Lehrer)

In der Mathematik wird unter Additivität die Erkenntnis verstanden, dass Einheiten zerlegt und wieder zusammengesetzt werden können (z. B.: Die Länge einer gemessenen Gesamtstrecke entspricht der Länge der enthaltenen Teilstrecken).

Aktivitäten

Eine Aktivität bezeichnet die Durchführung einer Aufgabe oder Handlung (z.B. rechnen, lesen, schreiben, sprechen, sich bewegen).

Alphabetische Stufe (nach Günther)

Auf der alphabetischen Stufe beginnt ein Kind Schritt für Schritt, sich die Graphem-Phonem-Korrespondenzen zu erarbeiten - synthetisierendes Lesen wird möglich. Beim Schreiben überwiegt die phonetische Schreibweise nach der Strategie „Schreib wie du sprichst“.

Aneinanderreihen der Einheit (nach Lehrer)

Unter dem Aneinanderreihen der Einheit wird in der Mathematik die Erkenntnis verstanden, dass beim Abmessen keine Lücken/Sprünge zwischen den einzelnen Einheiten vorhanden sein dürfen (z. B. beim Messen einer Gesamtläge von Teilstücken).

Arbeitshilfen

Arbeitshilfen (Core-Sets) im Kontext von WSD sind „Werkzeuge“ für die sonderpädagogische Diagnostik. Sie setzen sich theoriegeleitet aus verschiedenen, für die Beantwortung einer diagnostischen Fragestellung relevanten Aspekten und Fragen zusammen.

Auftragsklärung (nach Loth und von Schlippe)

Loth und von Schlippe beschreiben die Auftragsklärung als Möglichkeit, um ausgehend von einem konkreten Anlass und den Anliegenden der beteiligten Personen zu einem Auftrag und damit verbunden zu einem Contracting zu kommen. Loth und von Schlippe sehen dabei folgende Schritte der Klärung: 1. Anlass: „Was führt Sie zu mir?“ 2. Anliegen: „Was möchten Sie?“ 3. Auftrag: „Was wollen Sie von mir?“ 4. Contracting: „Das biete ich (als Sonderpädagoge) an!“

5. (Zwischen-)Bilanz: „Wo stehen wir jetzt?“

Attribuierung

Attribuierung (häufig auch Attribution) meint Zuschreibung. Relevant ist in diesem Zusammenhang z.B. die Frage, wen oder was der junge Mensch für seinen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich macht.

Barrieren

Barrieren sind (hemmende) Kontextfaktoren, die sich negativ auf Aktivität und Teilhabe auswirken.

CHC-Modell (nach Cattell, Horn und Carroll)

Das CHC-Modell ist ein mehrstufiges, hierarchisches Intelligenz-Modell, in dem die Theorien von Cattell, Horn und Carroll zusammenfließen. Es dient in diesem Werkzeug in erster Linie der begrifflichen Ordnung der mentalen Funktionen.

Arbeitshilfen

Arbeitshilfen sind „Werkzeuge“ für sonderpädagogische Diagnostik. Sie setzen sich theoriegeleitet aus verschiedenen Items zusammen, welche für die Beantwortung einer bestimmten diagnostischen Fragestellung (z.B. zum Lesen und Schreiben) besonders relevant sind. Arbeitshilfen sind strukturiert nach dem bio-psycho-sozialen Modell der ICF-CY.

Diagnostische Fragestellung

Diagnostische Fragestellungen sind der Ausgangspunkt sonderpädagogischen Handelns. Sie werden zu einem diagnostisch relevanten Sachverhalt formuliert und strukturieren die weitere diagnostische Vorgehensweise.

Beispiele für diagnostische Fragestellungen:

  • Abklärung eines sonderpädagogischen Ressourcenanspruchs im Rahmen eines Feststellungsverfahrens (sonderpädagogisches Gutachten): Besteht bei Lisa ein Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot / in welchem Förderschwerpunkt besteht dieser Anspruch? Welche Bildungsangebote unterstützen ihren Kompetenzerwerb (in den Bereichen XY)?
  • Prozessorientierte Diagnostik: Woran könnte es liegen, dass Robin Schwierigkeiten im sinnentnehmenden Lesen hat? Welche Bildungsangebote unterstützen seinen Kompetenzerwerb in diesem Bereich?

Diagnostische Methoden

Die Auswahl diagnostischer Methoden erfolgt theoriegeleitet. Diagnostische Methoden lassen sich untergliedern in:

  • Beobachtungen (strukturiert/unstrukturiert)
  • informelle Verfahren
  • standardisierte Verfahren
  • Befragungen und Gespräche
  • Dokumentenanalysen

Didaktisierung

Unter Didaktisierung versteht man die Ableitung und Umsetzung individueller Ziele und Bildungsangebote. Didaktisierung knüpft unmittelbar an die Hypothesenbildung im diagnostischen Prozess an. Sie berücksichtigt bestmöglich wissenschaftliche Erkenntnisse bezüglich der Wirksamkeit individueller Bildungsangebote.

Didaktisieren

Unter Didaktisierung versteht man die Ableitung und Umsetzung individueller Ziele und Bildungsangebote. Didaktisierung knüpft unmittelbar an die Hypothesenbildung im diagnostischen Prozess an. Sie berücksichtigt bestmöglich wissenschaftlicher Erkenntnisse bzgl. der Wirksamkeit individueller Bildungsangebote.

Direkte Instruktion

Unter Direkte Instruktion wird eine „hoch-strukturierte, lehrergesteuerte, lernerzentrierte, schrittweise, feedback- und redundanzreiche Förderung verstanden, in der die zu lernenden Fähigkeiten vom Lehrer präsentiert, in Anleitung mit dem Schüler modelliert und letztendlich so lange einschleifend geübt werden, bis sich ein hoher Automatisierungsgrad zeigt.

Direkter Leseweg

Der direkte Leseweg ist gegenüber dem indirekten Leseweg der schnellere und ökonomischere der beiden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass bereits Einträge im mentalen Lexikon vorhanden sind. Zu Beginn des Leseerwerbs werden anfangs meist hochfrequente Wörter abgespeichert (wie z. B. Mama, Auto und ich), während die Kinder weniger häufige Wörter noch über das Lautieren (indirekte Strategie) erlesen. Der direkte Leseweg wird auch als Lexikalische Route bezeichnet

DSM-5

DSM-5 ist ein diagnostischer Leitfaden psychischer Störungen.

Einheits-Attribut-Beziehung

In der Mathematik wird unter der Einheits-Attribut-Beziehung verstanden, dass der Zusammenhang zwischen Einheit und Merkmal des Gemessenen erkannt wird (z. B.: Längeneinheiten sind nicht zur Beschreibung von Gewichten geeignet).

Eingangs-Hypothesen

Eingangs-Hypothesen sind auf der Basis erster diagnostischer Informationen erste Vermutungen, welche Zusammenhänge zwischen Verhaltensweisen und Themenfeldern bzw. Themen bestehen könnten. Sie steuern den weiteren diagnostischen Prozess, insbesondere in der Auswahl geeigneter diagnostischer Methoden. Die Eingangs-Hypothesen, die durch die Hypothesen-Prüfung zumindest in Teilen belegt werden können, werden zu Erklär-Hypothesen. Nicht belegbare oder widerlegte Eingangs-Hypothesen entfallen im weiteren Prozess.

Erweiterter Lese- und Schreibbegriff

Unter den erweiterten Lesebegriff fasst man das Wahrnehmen, Deuten und Verstehen von bildhaften und symbolhaften oder abstrakten Zeichen und Signalen, die sprachfrei oder sprachgebunden sein können. Der erweiterte Schreibbegriff umfasst alle grafischen Möglichkeiten, mit denen sich ein Mensch verständlich machen kann.

Förderliche Faktoren

Förderliche Faktoren sind Kontextfaktoren (personbezogene Faktoren und Umweltfaktoren), die sich positiv auf Aktivität und Teilhabe auswirken.

Formative Evaluation

Unter formativer Evaluation wird die Bewertung und Verbesserung eines Prozesses verstanden, die innerhalb vorab definierter Zeiträume und vorab definierten Kriterien erfolgt.

Fragestellungsanalyse

Anknüpfend an eine diagnostische Fragestellung geht es im Rahmen einer Fragestellungsanalyse darum, ein theoretisches Verständnis der diagnostischen Fragestellung zu gewinnen - zunächst noch unabhängig vom konkreten Kind oder Jugendlichen. Der Blick richtet sich dabei auf den idealtypischen Ablauf (z.B. des Lesens) Die kleinschrittige Analyse dieses idealtypischen Ablaufs bildet gewissermaßen eine Art Folie, vor deren Hintergrund das konkrete Handeln des Kindes oder Jugendlichen in einem nächsten Schritt analysiert werden kann.

Zur Strukturierung einer Fragestellungsanalyse bietet sich das bio-psycho-soziale Modell der ICF-CY an. Handlungsleitend sind in diesem Zusammenhang folgende Fragen:

  • Welche Bereiche von Aktivität und Teilhabe müssen (z.B. im Bereich Lesen) in den Blick genommen werden?
  • Welche Körperfunktionen und ggf. –strukturen müssen anknüpfend an 1) in den Blick genommen werden?
  • Welche Kontextfaktoren (personbezogene Faktoren und Umweltfaktoren) müssen anknüpfend an 1) in den Blick genommen werden?

Gesundheitszustand (nach ICD-10 oder DSM 5)

Den Gesundheitszustand (nach ICD-10 oder DSM 5) im Rahmen diagnostischer Prozesse zu berücksichtigen, meint vorhandene Diagnosen (Gesundheitsstörungen oder Krankheiten) im Hinblick auf deren Auswirkungen auf Aktivität und Teilhabe in den Blick zu nehmen. Hierzu zählen Krankheiten wie z.B. Diabetes genauso wie psychische Störungen, wie z.B. eine Depression.

Gelegenheitsbarrieren

Begriff aus dem Partizipationsmodell: Gelegenheitsbarrieren (ICF= Umweltfaktoren) gehen nicht von dem unterstützt kommunizierenden Menschen aus, sie werden durch andere Personen und das Umfeld geschaffen und können nicht durch den einfachen Einsatz eines Kommunikationssystems beseitigt werden.

Gesundheitszustand

Den Gesundheitszustand (medizinische Diagnosen nach ICD-10 oder DSM-5) im Rahmen diagnostischer Prozesse zu berücksichtigen, meint vorhandene Gesundheitsstörungen oder Krankheiten im Hinblick auf deren Auswirkungen auf Aktivität und Teilhabe in den Blick zu nehmen. Hierzu zählen Krankheiten wie z.B. Diabetes genauso wie psychische Störungen, wie z.B. eine Depression.

Globale Kohärenz

Gelingt es dem Leser, die Gesamtaussage eines Textes erfassen, sich nicht explizit im Text gegebene Informationen erschließen, Schlussfolgerungen zu ziehen und über den Text reflektieren, wird von der Herstellung einer globalen Kohärenz gesprochen.

Graphem-Phonem-Korrespondenz

Die Phonem-Graphem-Korrespondenz (oder Laut-Buchstaben-Zuordnung) beschreibt den Zusammenhang zwischen gesprochenen Lauten und geschriebenen Schriftzeichen.

Hypothesen / Hypothesenbildung

Hypothesen sind präzisierte Vermutungen, die beschreiben woran es liegen könnte, dass Schwierigkeiten, z. B. im sinnentnehmenden Lesen bestehen. Die Hypothesenbildung verläuft theoriegeleitet, d. h. unter bestmöglicher Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse bezüglich möglicher Zusammenhänge der im Spiegel der ICF-CY erhobenen diagnostischen Daten. Handlungsleitend sind hierbei folgende Fragestellungen:

  • Mit welchen Körperfunktionen und –strukturen könnten die diagnostischen Daten im Bereich Aktivität und Teilhabe in Zusammenhang stehen?
  • Mit welchen Diagnosen nach ICD 10 oder DSM 5 könnten die diagnostischen Daten im Bereich Aktivität und Teilhabe in Zusammenhang stehen?
  • Mit welchen Kontextfaktoren (förderlich/hemmend) könnten die diagnostischen Daten im Bereich Aktivität und Teilhabe in Zusammenhang stehen?
  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen einzelnen Aktivitätsbereichen?

Da im Rahmen der Hypothesenbildung einzelne ICF-Kategorien theoriegeleitet miteinander in Beziehung gesetzt werden, wird auch von Zusammenhangshypothesen gesprochen.

ICD-10

Die ICD-10 ist die internationale Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme. Sie ist das wichtigste, weltweit anerkannte Klassifikationssystem für medizinische Diagnosen.

Identische Einheiten (nach Lehrer)

In der Mathematik muss kenntlich gemacht werden, wenn unterschiedliche Einheiten genutzt werden (nicht: Es sind 7, sondern: 4m und 3cm). Folglich kann nur mit identischen Einheiten gerechnet werden, ohne dass eine Umrechnung stattfinden muss.

Individuelle Bildungsangebote

Individuelle Bildungsangebote unterstützen Kinder und Jugendliche mit Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot darin, ihre Aktivitätspotenziale zu entfalten und ihre Teilhabemöglichkeiten zu erweitern. Welche Ziele individuelle Bildungsangebote umfassen, ist im Vorfeld durch eine entsprechende sonderpädagogische Diagnostik und eine daran anknüpfende kooperative Bildungsplanung zu klären.

Ikonische Zeichen

Ikonische Zeichen haben ein gewisses Maß an Ähnlichkeit mit der bezeichneten Sache. Sie stehen dazu unmittelbar wahrnehmbar in einer Beziehung.

Indirekter Leseweg

Wird ein Wort Buchstabe für Buchstabe und somit Laut für Laut erlesen, wird dies als indirekter Leseweg beschrieben. Diese indirekte Strategie wird hauptsächlich von LeseanfängerInnen, allerdings greifen auch kompetente LeserInnen darauf zurück, wenn sie unbekannte Wörter oder Fachbegriffe lesen. Da hier beim Erlesen kein lexikalischer Eintrag genutzt werden kann, wird beim indirekten Leseweg auch von einer nicht-lexikalischen Route gesprochen.

Individuelle Bildungsangebote

Individuelle Bildungsangebote unterstützen Kinder und Jugendliche darin, ihre Aktivitätspotenziale zu entfalten und ihre Teilhabemöglichkeiten zu erweitern.

Bei der Umsetzung individueller Bildungsangebote werden sowohl unterrichtliche als auch außerunterrichtliche Bildungsangebote in den Blick genommen (ggf. auch therapeutische Angebote). Ebenso erfolgt nach Möglichkeit die Reduktion vorhandener Barrieren in den Kontexten.

Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung (ILEB)

Individuelle Lern- und Entwicklungsbegleitung (ILEB) ist das Fachkonzept der Sonderpädagogik in Baden-Württemberg. ILEB als Instrument der Qualitätssicherung beschäftigt sich mit der Frage, wie der Bildungsanspruch auf Aktivität und Teilhabe sowohl fachlich-inhaltlich als auch organisatorisch-strukturell gesichert werden kann. Ausgehend von einer sonderpädagogischen Diagnostik, werden in Verbindung mit einer kooperativen Bildungsplanung, individuellen Bildungsangeboten und deren Umsetzung, einer kompetenzorientierten Leistungsfeststellung sowie der kontinuierlichen Dokumentation dieser Prozesse nachhaltige Bildungsprozesse gesichert und zwar losgelöst vom Lernort.

Inhaltsbezogene Kompetenzen

Der Bildungsplan Grundschule 2016 Baden-Württemberg beschreibt im Fach Mathematik inhaltsbezogene Kompetenzen in den folgenden vier Bereichen:

  • Zahlen und Operationen
  • Raum und Form
  • Größen und Messen
  • Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit

Integrativ-automatisierte Stufe

Auf der integrativ-automatisierten Stufe kommt es zu einer Automatisierung und Optimierung der Lese- und Schreibstrategien. Durch die Anwendung von Lesestrategien kann z. B. die Zugriffszeit auf das mentale Lexikon extrem verkürzt werden, wodurch sich auch der Leseprozess beschleunigt. Beim Schreiben gewinnt der kommunikative Aspekt die tragende Bedeutung.

Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung & Gesundheit bei Kindern & Jugendlichen (ICF-CY)

Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung & Gesundheit bei Kindern & Jugendlichen (ICF-CY) basiert auf einem bio-psycho-sozialen Verständnis von Behinderung. Sie beschreibt die Situation einer Person auf folgenden Ebenen:

  • Ihres Körpers (Körperfunktionen und ggf. -strukturen)
  • Der Handlungen oder Durchführungen von Aufgaben (Aktivitäten)
  • Des Einbezogenseins in eine Lebenssituation (Teilhabe)

Sämtliche Ebenen stehen unter dem Einfluss von Kontextfaktoren (personbezogene Faktoren und Umweltfaktoren).

Körperfunktionen

Körperfunktionen sind die physiologischen Funktionen von Körpersystemen einschließlich psychologischer Funktionen (z.B. Sinnesfunktionen, mentale Funktionen, psychomotorische Funktionen,…).

Körperstrukturen

Körperstrukturen sind anatomische Teile des Körpers, wie Organe, Gliedmaßen und ihre Bestandteile (z.B. anatomische Strukturen des Ohres).

Kompetenzorientierte Leistungsfeststellung

Im Rahmen einer Kompetenzorientierten Leistungsfeststellung wird im Rahmen von ILEB die Wirksamkeit individueller Bildungsangebote überprüft.

Folgende Fragestellungen sind dabei zu prüfen:

  • Waren die Bildungsangebote zielführend? Woran wird das festgemacht?
  • Über welche Kompetenzen verfügt das Kind oder der Jugendliche nun?
  • Haben sich die Hypothesen im Rahmen der sonderpädagogischen Diagnostik als bedeutsam erwiesen? Gibt es neue Hypothesen?
  • Welches sind daran anknüpfend nächste Ziele und Bildungsangebote?

Kontextfaktoren

Kontextfaktoren sind alle Gegebenheiten des Lebenshintergrundes einer Person. Sie sind in personbezogene Faktoren und Umweltfaktoren gegliedert.

Kooperative Bildungsplanung

Kooperative Bildungsplanung bedeutet, im Dialog mit den Eltern, mit dem Kind oder dem Jugendlichen und gegebenenfalls mit weiteren bedeutsamen Personen aus dem Umfeld ein gemeinsames und umfassendes Verständnis der aktuellen Situation zu entwickeln. Hypothesen werden mit Zielen und Bildungsangeboten logisch verknüpft, mit dem Ziel, Aktivitätspotenziale von Kindern und Jugendlichen zu entfalten und ihre Teilhabe zu erweitern. Die Planung der individuellen Bildungsangebote erfolgt unter bestmöglicher Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse bezüglich deren Wirksamkeit.

Lexikalische Route

In der lexikalischen Route, oft auch direkter Leseweg genannt, wird erkannt, dass eine Wortrepräsentation im mentalen Lexikon gespeichert ist, es wird also erkannt, dass es sich um ein bekanntes Wort handelt. Damit ist die lexikalische Route beim Wortlesen schneller und ökonomischer als die nicht-lexikalische Route.

Lesetechnik

Der Begriff der Lesetechnik rückt die Automatisierung des Leseprozesses in den Mittelpunkt. Hierzu gehören beispielsweise die Leseflüssigkeit, die Lesegeschwindigkeit und die Lesegenauigkeit.

Leseverwendung

Der Begriff der Leseverwendung rückt das Erfassen des Sinns des Gelesenen in den Mittelpunkt. Hierzu gehören beispielsweise das richtige Umsetzen von schriftlichen Arbeitsaufträgen oder auch das gezielte Nachfragen bei Nichtverstehen (Monitoring).

Literacy-Konzept

Das Literacy-Konzept, das im Deutschen am besten unter dem Begriff der funktionalen Grundbildung zu fassen ist, umfasst im Wesentlichen zwei Aspekte, nämlich die Anwendbarkeit des Gelernten für die jetzige und die spätere, nachschulische Teilhabe sowie die Anschlussfähigkeit im Sinne kontinuierlichen Weiterlernens über die Lebensspanne.

Logographemische Stufe

Die logographemische Stufe des Schriftspracherwerbs zeichnet sich dadurch aus, dass nun besonders hervorstechender visuelle Merkmale eines Wortes erkannt werden (visual-cue-reading). Beim Schreiben werden visuell hervorstechende Merkmale eines Wortes wiedergegeben.

Lokale Kohärenz

Wird beim Erlesen eines Textes lediglich eine lokale Kohärenz (im Gegensatz zur globalen Kohärenz) hergestellt, gelingt zwar die inhaltliche Verknüpfung mehrerer Sätze. Es können aber nur offensichtliche Verbindungen zwischen dem Gelesenen und allgemein bekanntem Alltagswissen hergestellt werden.

Mehrkomponentenmodell des Arbeitsgedächtnisses (nach Baddeley)

Das Mehrkomponentenmodell des Arbeitsgedächtnisses (nach Baddeley) versucht abzubilden, wie Informationen während ihrer komplexen kognitiven Verarbeitung zwischengespeichert und aufrechterhalten werden. Das Mehrkomponentenmodell kann herangezogen werden, um die Wirkweise auf der Ebene der Körperfunktionen zu beschreiben.

Mentale Funktionen

Zu den mentalen Funktionen zählen z.B. die Funktionen der Aufmerksamkeit, die Funktionen des Gedächtnisses, fluide und kristalline Fähigkeiten sowie die Wahrnehmungsverarbeitung. In der webbasierten sonderpädagogischen Diagnostik dient das CHC-Modell der begrifflichen Ordnung der mentalen Funktionen. Es handelt sich dabei um ein Intelligenz-Modell, das verdeutlicht, wie vielschichtig der Bereich der mentalen Funktionen ist.

Mentales Lexikon

Die vielschichtigen Informationen zum Wortschatz, zur Grammatik, Morphologie und Phonologie, die für jedes Wort abstrahiert und in Beziehung gesetzt werden müssen, sind im mentalen Lexikon repräsentiert, dem Teilbereich des Langzeitgedächtnisses, in dem unser gesamtes Wortwissen in hochorganisierter Weise gespeichert ist. Zu jedem Lexikoneintrag sind sowohl Informationen zur Form als auch zum Inhalt gespeichert. Je ausführlicher die gespeicherten Informationen zu einem Eintrag sind, umso schneller abrufbar und präsenter im aktiven Wortschatz ist der Eintrag.

Mittel-Zweck-Beziehungen

Nach Piagets Stadien der kognitiven Entwicklung gibt es verschiedene Kreisreaktionen, welche das Zusammenspiel von Assimilation und Akkomodation meinen. Primäre Kreisreaktion: Als lustvoll erlebte Handlungen werden wiederholt, auf den eigenen Körper beschränkt (ca. bis zum 4. Lebensmonat). Sekundäre Kreisreaktion: Handlungen werden als Mittel zum Zweck eingesetzt, um Effekte in der Umwelt zu provozieren (ca. bis zum 8. Lebensmonat). Tertiäre Kreisreaktion: Variation eines als positiv erlebten Schemas, Experimentieren an der Umwelt (12. bis 18. Lebensmonat).

Monitoring

Monitoring des Sprachverstehens bedeutet das Erkennen von Nichtverstehen (aufgrund von akustischen Unzulänglichkeiten, inkonsistenten Inhalten oder zu großer Komplexität) sowie Reaktionen darauf (möglichst gezieltes Nachfragen).

Morphem

Morpheme werden als kleinste bedeutungstragende (sprachliche) Einheit definiert. Zum Beispiel ist das Wort tische, geschrieben ⟨Ti·sche⟩ und gesprochen /'tıʃə/, aus zwei Morphemen aufgebaut: {tisch}{-e}; dabei ist {tisch} der Wortstamm mit der Bedeutung ‚Möbel mit Platte und Beinen‘ und {-e} ist die Endung mit der Funktion ‚Mehrzahl‘.

Motive

Motive sind zum Persönlichkeitseigenschaften, die beschreiben, wie wichtig einer Person bestimmte Handlungsziele sind, zum anderen sind es Absichten, die eine Person mit bestimmten Verhaltensweisen verfolgt.

Nicht-lexikalische Route

Wird ein Wort über die nicht-lexikalische Route erlesen, erfolgt das Erlesen des Wortes Buchstabe für Buchstabe und somit Laut für Laut, da beim Erlesen kein bereits vorhandener lexikalischer Eintrag genutzt werden kann. Dies wird auch als indirekter Leseweg beschrieben.

Nullpunkt (nach Lehrer)

In der Mathematik beschreibt das Verständnis des Nullpunktes die Erkenntnis, dass jeder Punkt einer Messskala als Ausgangspunkt für eine Messung dienen kann (z. B.: Der Abstand zwischen 0 und 10cm auf dem Lineal ist gleich groß wie der Abstand zwischen 20 und 30cm).

Objektpermanenz

Objektpermanenz bezeichnet die Fähigkeit des Kindes, eine Vorstellung von einem Objekt aufzubauen und im Gedächtnis zu behalten, auch wenn dieses Objekt nicht mehr wahrgenommen wird.

Orthographische Stufe (nach Günther)

In der orthographischen Stufe des Schriftspracherwerbs kommt es beim Lesen zu einer simultanen Verarbeitung größerer Einheiten des Wortes (z. B. Silben), wodurch eine Erhöhung der Lesegeschwindigkeit beobachtet werden kann. Beim Schreiben werden Rechtschreibregeln zunehmend beachtet.

Overlapping Waves (nach Siegler)

Das Modell der Overlapping Waves (nach Siegler) verdeutlicht, dass Kinder mehrere Zählstrategien parallel verwenden können, abhängig vom Zahlenraum und der jeweiligen Aufgabenstellung. Kinder nutzen nach Siegler beim Lösen von Aufgaben die Strategie, die im Vergleich zu anderen gut funktioniert. So greifen Kinder beispielsweise wieder auf zählendes Rechnen zurück, selbst wenn sie bereits in vorangegangenen Aufgabenstellungen Ableitungsstrategien genutzt haben. Entwicklungsveränderungen zeigen sich somit als Veränderung in der Zusammensetzung des Strategierepertoires hin zu effektiveren Strategien.

Partizipationsmodell

Das Partizipationsmodell baut auf dem Kommunikationsbedürfnis-Modell nach Beukelman und Mirenda auf und gibt in der Unterstützten Kommunikation (UK) einen systematischen Rahmen für Diagnostik, Planung und Durchführung von UK-Interventionen.

Personbezogene Faktoren

Personbezogene Faktoren sind bestimmte Eigenschaften, Lebensgewohnheiten und Einstellungen einer Person (z.B. Motivation, Interessen, Selbstbild, Selbstwirksamkeitserwartungen, …) Personbezogene Faktoren können Aktivität und Teilhabe positiv oder negativ beeinflussen.

Phänomenologische Reduktion

Die phänomenologische Reduktion ist ein Teil der auf Edmund Husserl zurückgehenden geisteswissenschaftlichen Methode zur Prinzipien- bzw. Wesensfindung. Die Phänomenologie (aus dem Griechischen „sich zeigen“, „sich offenbaren“, „ans Licht treten“ bzw. „zum Vorschein kommen“ beschäftigt sich also mit den „dahinterliegenden Dingen hinter den Sachen“. Die phänomenologische Reduktion selbst ist der gedankliche Prozess des Herausschälens vom Kern einer Sache.

Phonem-Graphem-Korrespondenz

Die Phonem-Graphem-Korrespondenz (oder Laut-Buchstaben-Zuordnung) beschreibt den Zusammenhang zwischen gesprochenen Lauten und geschriebenen Schriftzeichen.

Phonologie

Die Phonologie untersucht die Funktion und Eigenschaft von Sprachlauten als Elemente einer Sprache.

Phonologische Bewusstheit

Unter phonologischer Bewusstheit versteht man die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf die formalen Eigenschaften der gesprochenen Sprache zu lenken, z.B. auf den Klang der Wörter beim Reimen, auf Wörter als Teile von Sätzen, auf Silben als Teile von Wörtern und letztendlich vor allem auf die einzelnen Laute der gesprochenen Wörter.

Phonologisches Rekodieren

Das phonologische Rekodieren meint die Fähigkeit, schriftliche Symbole (geschriebene Wörter, Bilder) zu rekodieren (in eine lautsprachliche Struktur zu übertragen), um schließlich aus dem Langzeitgedächtnis deren Bedeutung abzurufen.

Pragmatik

Die Pragmatik untersucht den Gebrauch von Äußerungen in einer konkreten Äußerungssituation (Kommunikationssituation).

Präliteral-symbolische Stufe (nach Günther)

Auf der präliteral-symbolischen Stufe gelingt das Bilderlesen, das Lesen und Schreiben von ikonischen Zeichen sowie das Lesen von Symbolen. Schritte in Richtung Schrift sind das Malen von Bildern sowie das Kritzeln bzw. das Als-Ob-Schreiben und das Als-Ob-Vorlesen.

Produktives Üben

Vom produktiven Üben wird in der Mathematikdidaktik dann gesprochen, wenn die Schülerinnen und Schüler zu selbstständigen Denkprozessen angeregt werden, sie bei Schwierigkeiten im aktiven Problemlösen unterstützt werden und die Aufgaben im Sinne einer natürlichen Differenzierung so aufgebaut sind, dass jedes Kind auf seinem Niveau mitarbeiten kann.

Proportionalität

Unter Proportionalität wird in der Mathematik verstanden, dass jede Messung proportional zur Einheit sein muss (10 cm = 1dm)

Prosodie

In der Sprachwissenschaft wird unter dem Begriff Prosodie die Gesamtheit der lautlichen Strukturen von Sprache wie Betonung, Rhythmus, Sprechmelodie und Sprechpausen verstanden.

Prozessbezogene Kompetenzen

Der Bildungsplan Grundschule 2016 Baden-Württemberg beschreibt im Fach Mathematik folgende prozessbezogene Kompetenzen:

  • Darstellen
  • Modellieren
  • Problemlösen
  • Argumentieren
  • Kommunizieren

Prozessorientierte Diagnostik

Die Prozessorientierte Diagnostik sieht sich grundsätzlich der Aufgabe verpflichtet, die Kompetenzen eines Kindes oder Jugendlichen im Rahmen von frühkindlicher, schulischer oder beruflicher Bildung zu beschreiben und zu analysieren, um daran anknüpfend individuelle Ziele und Bildungsangebote abzuleiten. Übergeordnetes Ziel prozessorientierter Diagnostik ist es, die Aktivitätspotenziale eines Kindes/eines Jugendlichen zu entfalten und seine Teilhabe zu erweitern.

Psychometrische Daten

Als psychometrische Daten werden die Werte bezeichnet, die im Rahmen eines standardisierten und normierten diagnostischen Verfahrens erhoben werden.

Reziprokes Unterrichten

Der Ursprung des reziproken Unterrichtens liegt im von Palinscar und Brown entwickelten Verfahren des reziproken Lehrens und Lernens zur Förderung leseschwacher Schülerinnen und Schüler, bei dem Schüler*innen in Gruppen mit 4 bis 7 Mitgliedern eingeteilt werden und beim Gespräch über einen Sachtext abwechselnd zwei unterschiedliche Rollen übernehmen: Als Gruppenleiter*innen fordern sie die Anwendung einer weitgehend festen Sequenz von Strategien, die das Gespräch strukturieren, ein; als lernende Gruppenmitglieder wenden sie diese selbst an. Somit ist gewährleistet, dass alle Schülerinnen und Schüler aktiv am Erschließungsprozess des Textes beteiligt sind, da jedes Gruppenmitglied für eine andere Aufgabe verantwortlich ist. Die Schülerinnen und Schüler gehen so den Weg vom Lernen zum Lehren und umgekehrt.

Schädigung

Schädigungen sind Beeinträchtigungen einer Körperfunktion oder -struktur (z.B. eine wesentliche Abweichung oder ein Verlust).

Schreibtechnik

Der Begriff der Schreibtechnik rückt das „Richtig schreiben“ in den Mittelpunkt. Hierzu gehört die Berücksichtigung der Rechtschreibregeln genauso wie beispielsweise die korrekte Stifthaltung und die Einhaltung der Schreibrichtung.

Schreibverwendung

Der Begriff der Schreibverwendung rückt den kommunikativen Aspekt des Schreibens in den Mittelpunkt. Hierzu gehört beispielsweise das freie Schreiben, das sprachliche Formulieren eigener Gedanken sowie das adressatenbezogene Schreiben.

Schrittmacherfunktion (Lesen und Schreiben)

Lesen und Schreiben werden nicht im Gleichschritt erworben, vielmehr übernimmt entweder das Lesen für das Schreiben eine Schrittmacherfunktion oder umgekehrt. Als Schrittmacher für die logographemische Strategie fungiert das Lesen, als Schrittmacher für die alphabetische Strategie das Schreiben und als Schrittmacher für die orthographische Strategie wieder das Lesen.

Selbstwirksamkeitserwartung

Das Konzept der Selbstwirksamkeitserwartung wurde in den 70er-Jahren von Bandura entwickelt. Bezeichnet ist damit die Erwartung einer Person, aufgrund eigener Kompetenzen gewünschte Handlungen erfolgreich selbst ausführen zu können. Ein Mensch, der daran glaubt, selbst etwas bewirken und auch in schwierigen Situationen selbstständig handeln zu können, hat demnach eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung. Es geht also um die Annahme, man könne als Person gezielt Einfluss auf die Dinge und die Welt nehmen, statt äußere Umstände, andere Personen, Zufall, Glück und andere unkontrollierbare Faktoren als ursächlich anzusehen.

Semantik

Die Semantik (Bedeutungslehre) ist ein Teilgebiet Sprachwissenschaft, welches sich mit den Bedeutungen sprachlicher Zeichen und Zeichenfolgen befasst, wie beispielsweise eines Wortes, Satzes oder eines ganzen Textes.

Situationslesen

Situationslesen ist ein Begriff aus dem Bereich Bilderlesen (erweiterter Lesebegriff): Konkrete Abbildungen mit größtmöglicher Ähnlichkeit zur bezeichneten Person, zu einem Objekt oder einer Situation in Form von Fotos oder Zeichnungen werden gelesen.

SMARTe Ziele

Werden SMARTe Ziele formuliert, weisen diese folgenden Merkmale auf:

  • Specific: Die Ziele sind auf einen klar definierten Inhalt oder eine konkrete Handlung bezogen.
  • Measurable: Die Ziele sind überprüfbar.
  • Ambitious: Die Ziele sind herausfordernd.
  • Realistic: Die Ziele sind realistisch und erreichbar.
  • Timed: Die Ziele sind auf einen klaren Zeitraum bezogen.

Sonderpädagogische Diagnostik

Sonderpädagogische Diagnostik befasst sich im Kern mit der Frage welche Barrieren in den Kontextfaktoren (personbezogene Faktoren und Umweltfaktoren) bzw. welche Schädigungen in den Körperfunktionen und ggf. -strukturen Kinder / Jugendliche / junge Erwachsene in ihrer Aktivität und Teilhabe so einschränken, dass sich daraus die Notwendigkeit eines sonderpädagogischen Bildungsangebots ableitet.

Sonderpädagogische Diagnostik bildet sich grundsätzlich in 2 Formen ab:

  • Abklärung eines sonderpädagogischen Ressourcenanspruchs im Rahmen eines Feststellungsverfahrens (sonderpädagogisches Gutachten).
  • Prozessorientierte, sonderpädagogische Diagnostik im Rahmen von ILEB in frühkindlicher, schulischer und beruflicher Bildung

Sonderpädagogische Gutachten

Falls der Schulaufsichtsbehörde bei einem Kind/einem Jugendlichen konkrete Hinweise auf einen Anspruch auf ein sonderpädagogisches Bildungsangebot vorliegen, leitet sie ein Feststellungsverfahren zur Überprüfung dieses Anspruchs ein. Ein Sonderpädagoge/eine Sonderpädagogin wird mit der Erstellung eines sonderpädagogischen Gutachtens beauftragt, um eine Empfehlung auszusprechen, ob aus Gutachterperspektive ein (Ressourcen-)Anspruch vorliegt oder nicht (mehr) vorliegt und falls ja, in welchem Förderschwerpunkt (und ggf.) in welchem Bildungsgang ein Anspruch empfohlen wird.

Standardisierte Einheiten (nach Lehrer)

Das Prinzip der standardisierten Einheiten in der Mathematik beschreibt die Vereinbarungen über Einheiten, die die Kommunikation über Größen vereinfachen.

Strategieinstruktion

Der Begriff der Strategieinstruktion bezieht sich auf die Vermittlung verschiedener Techniken und Fertigkeiten, die eine selbstständige Informationssuche, -verarbeitung und -speicherung in Gang setzen sowie diese Prozesse lenken und überwachen.

Stützpunktvorstellungen

Um in Mathematik einen sicheren Umgang mit Größen entwickeln zu können, braucht es so genannte Stützpunktvorstellungen, die auch als innere Repräsentanten oder Referenzgrößen bezeichnet werden (z. B.: 1 kg = 1 Packung Zucker oder 1 Packung Mehl).

Subsidiarität

Das Subsidiaritätsprinzip setzt auf die Entfaltung der individuellen Fähigkeiten, der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Das lateinische Wort „subsidiär“ bedeutet übersetzt „unterstützend“ oder „ersatzweise eintretend“. Hinter dem Subsidiaritätsprinzip steht auch ein klares Menschenbild: Das des eigenverantwortlichen Individuums.

Symbol, Symbolisierung, Symbolisierungsfähigkeit

Ein Symbol ist eine Repräsentation und verweist auf etwas, das nicht abgebildet ist. Es repräsentiert etwas z. B. durch Sprache oder Bilder. Kann der Mensch symbolisieren, dann ist er unabhängig von realen Objekten und Ereignissen. Erst dann ist Denken, sich etwas vorstellen, so-tun-als-ob möglich. Dieser zentrale Entwicklungsschritt ist abhängig von den kognitiven Fähigkeiten und den sozial-emotionalen Beziehungserfahrungen. Sind diese grundlegend vorhanden und positiv, dann gelingt die Kommunikations-, Identität- und Autonomieentwicklung und Frustrationstoleranz, Beziehungsfähigkeit und Motivation u.a. werden angemessen aufgebaut.

Teilhabe

Teilhabe (Partizipation) ist das Maß, in dem eine Person ihre Aktivitäten (z.B. rechnen, lesen, schreiben, sprechen, sich bewegen) selbstbestimmt und gleichberechtigt in den für sie lebensbedeutsamen Kontexten entfalten kann (z.B. selbständig mit Geld am Kiosk bezahlen, einen Einkaufszettel erstellen und mit diesem im Supermarkt einkaufen, selbständig den Linienbus von zu Hause zur Schule benutzen).

Themenfelder

Die Themenfelder und die den Themenfeldern zugewiesenen Themen sind eine Ordnungsstruktur, die unter Berücksichtigung verschiedener Bezüge entwickelt wurde. Diese sind neben den Risiko- und Schutzfaktoren, dem Teilkarrieren-Modell, den Bildungs- bzw. Lebensbereichen des Bildungsplanes und der ICF-CY auch weitere Theorien, die gezeigtes Verhalten besser versteh- und erklärbar machen. Die Struktur der Themenfelder und Themen soll dazu dienen, diagnostisch relevante Daten zu ordnen, relevante Hintergründe des Verhaltens in den Fokus zu nehmen oder auszuschließen und auf der Basis der gesammelten Daten das Verhalten besser verstehen und erklären zu können. Die Themen selbst werden insbesondere für die Formulierung von Erklär-Hypothesen herangezogen.

Theorie der funktionellen Systeme (nach Lurija)

Die Theorie der funktionellen Systeme (nach Lurija) fasst die Funktionen des Gehirns in drei funktionalen Einheiten (Blöcke) zusammen.

  1. Einheit zur Steuerung von Tonus und Wachheit (Einheit der Aktivierung)
  2. Einheit zur Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung der von der Außenwelt eintreffenden Information (Einheit der Orientierung)
  3. Einheit der Programmierung, Steuerung und Kontrolle psychischer Tätigkeit (Einheit der Handlung)

Die Theorie der funktionellen Systeme (nach Lurija) kann herangezogen werden, um die Wirkweise auf der Ebene der Körperfunktionen zu beschreiben.

Umweltfaktoren

Umweltfaktoren bilden die materielle, soziale und einstellungsbezogene Umwelt ab, in der Menschen leben, z.B. Persönliche Hilfsmittel (z.B. Digitale Übertragungsanlage,…), Unterstützung und Beziehungen (Schule, Familie, Freunde, Peer, andere Fachleute,…), Einstellungen (Schule, Familie, …), Lernumgebung (Materialien, Medien, Methoden,…). Umweltfaktoren liegen außerhalb des Individuums und können sowohl Aktivität und Teilhabe als auch Körperfunktionen und -strukturen positiv oder negativ beeinflussen.

Unterstützte Kommunikation

Der Begriff Unterstützte Kommunikation (Abkürzung UK) bezeichnet alle Kommunikationsformen für Menschen mit schwer verständlicher, begrenzter oder fehlender Lautsprache, die die unzureichende Lautsprache unterstützen. Im englischen wird der Begriff AAC (Augmentative and Alternative Communication) hierfür verwendet (Boenisch 2013, Braun 2008).

Verfahrens-/ Verstehensaufgaben

In der Mathematikdidaktik werden Verfahrens- und Verstehensaufgaben unterschieden:

  • Verfahrensaufgaben sind dadurch gekennzeichnet, zum Lösen dieser Aufgaben auf rein algebraische, inhaltsbezogene Fertigkeiten zurückgegriffen werden und dieses Wissen reproduziert werden muss
  • Das Lösen einer verstehensorientierten Aufgabe hingegen erfordert neben bestimmten Rechenfertigkeiten auch eine Reflexion der (mathematischen) Situation.

Verstehensprozess

Der diagnostische Prozess im Bereich Verhalten zielt darauf ab, Verhalten besser verstehen zu wollen. Es geht also darum den Fragen nachzugehen, wie es zu den gezeigten Verhaltensweisen kommen könnte bzw. welche Absichten sich mit dem gezeigten Verhalten verbinden könnten. Grundlegend ist hierbei die Annahme, dass das gezeigte Verhalten für die sich verhaltende Person Sinn ergibt. Im Verstehensprozess wird also nach den subjektiv „guten Gründen“ für das Verhalten gesucht. Ausgehend vom möglichen Verständnis des Verhaltens im Spiegel der Themenfelder und Themen können Erklär-Hypothesen gebildet und dazu passende Bildungs- und Erziehungsangebote kooperativ entwickelt und umgesetzt werden.

Verzögerte Nachahmumg

Bei der verzögerten Imitation werden den Kindern verschiedene Handlungen vorgeführt, die sie nach einer bestimmten Phase der Nichtbeschäftigung mit diesen Handlungen nachahmen können. Die Modellhandlung wird nachgeahmt und setzt motorische Reproduktionsfähigkeit voraus.

Vierfelder-Modell des Schriftspracherwerbs (nach Reber)

Das Vierfelder-Modell des Schriftspracherwerbs (nach Reber) berücksichtigt beim Lesen und Schreiben sowohl den technischen als auch den kommunikativen Aspekt. Es bietet die Möglichkeit, die Lese- und Schreibkompetenzen eines Kindes anschaulich und strukturiert abzubilden.

Volition

Volition (aus d. Lat. volitio = Willensakt) bezeichnet die bewusste, willentliche Umsetzung von Zielen und Motiven in Resultate (Ergebnisse) durch zielgerichtete Steuerung von Gedanken, Emotionen, Motiven und Handlungen.

Wiederholung der Einheit

Grundlegend für das Messen ist die Erkenntnis zur Wiederholung der Einheit. Das bedeutet, dass beim Abmessen gleiche Teile eines Ganzen gebildet werden, dass also beispielsweise die Länge eines Objekts mithilfe eines kleineren Objekts gemessen werden kann, das wiederholt ohne Lücken und Überlappungen angelegt wird.

Zugangsbarrieren

Begriff aus dem Partizipationsmodell: Zugangsbarrieren (ICF= Personbezogene Faktoren) entstehen durch die gegenwärtigen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Einstellungen der unterstützt kommunizierenden Person und die Schwierigkeiten eine gewünschte Handlung nicht auszuführen.

Zugangsfertigkeiten

Zugangsfertigkeiten werden als ein Bündel von Fertigkeiten verstanden, welche die Interaktion zwischen dem Kind und den Anforderungen des jeweiligen diagnostischen Verfahrens beeinflussen können. Sollten auf Grund fehlender Zugangsfertigkeiten auf der Seite des Kindes (z. B. Kenntnis der deutschen Sprache) spezifische Hindernisse beim Einsatz eines diagnostischen Verfahrens entstehen, ist die Testfairness gefährdet und die Validität des Instruments eingeschränkt.

Zwei-Wege-Modell des Lesens (nach Coltheart)

Das Zwei-Wege-Modell des Lesens (nach Coltheart) beschreibt den Prozess des Lesens und dass es zwei Möglichkeiten gibt, einzelne Wörter zu lesen, nämlich auf dem direkten Weg oder dem indirekten Weg.

  1. Bei dem direkten Weg wird ein Wort als Ganzes erfasst (als Wortbild) und im Gedächtnis der Eintrag mit der Aussprache des Wortes aktiviert und schließlich ausgesprochen.
  2. Beim indirekten Weg wird Buchstabe für Buchstabe gelesen und schließlich die einzelnen Laute zu einem Wort zusammengefügt.

Zwei-Wege-Modell des Schreibens (nach Barry)

Barry unterscheidet im Rahmen des Zwei-Wege-Modells des Schreibens zwei Routen:

  1. In der nicht-lexikalischen Route aktiviert die akustische Analyse direkt die dazugehörigen Phoneme und speichert diese im phonologischen Buffer, der allerdings auch Informationen aus dem phonologischen Lexikon der lexikalischen Route erhalten kann. Über die Phonem-Graphem-Umwandlung erfolgt die Übersetzung in Grapheme, die dann im sog. Graphembuffer für das Niederschreiben gespeichert werden.
  2. Die lexikalische Route führt ausgehend vom auditiven Lexikon entweder a) über das phonologische Lexikon (Ich weiß, aus welchen Lauten sich das Wort zusammensetzt!) oder b) direkt zum orthographischen Lexikon (Ich kenne das Wort und die Schreibung!).

Layout und Gestaltung: Christian Albrecht, Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) Baden-Württemberg

wsd/glossar.txt · Zuletzt geändert: 2021/12/06 16:37 von Philipp Staubitz